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Der häufigste Baum geht am Extremsommer zugrunde

Autorenbild: Julian Baumann
Julian Baumann
vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit
Eine abgebrochene Buche liegt auf dem Waldboden. (Bild: Kanton Luzern)
Eine abgebrochene Buche liegt auf dem Waldboden. (Bild: Kanton Luzern)

Tot liegt sie im Wald. Der Jahresring 2026 wird der letzte von vielen sein: Hundert Jahre ist die Buche im Wald bei Kagiswil in Gunzwil schon alt. Sie hat den grossen Börsencrash Ende der 20er Jahre erlebt, ebenso die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges jenseits der Landesgrenzen. Sie hat die Strahlung der Atomtests des Kalten Krieges und von Tschernobyl überdauert.


Auch die Ära des sauren Regens und der vielen Pestizide konnte ihr nichts anhaben. Wetterextreme wie Sturm Lothar 1999, der Hitzesommer 2003 oder die Trockenheit von 2018 hat sie überlebt. Das extreme Wetter im Jahr 2026 war aber für die Buche schon im August zu viel: Sie hat den Sommer nicht überlebt.


Im Wald bei Kagiswil hat es im Sommer 2026 gebrannt. (Bild: Luzerner Polizei)
Im Wald bei Kagiswil hat es im Sommer 2026 gebrannt. (Bild: Luzerner Polizei)

Klimawandel gefährdet die dominanteste Baumart


Diese Buche ist jedoch nicht allein. Denn der häufigste Laubbaum der Schweiz kommt mit den zunehmend extremen Sommern nicht mehr klar, wie Rolf Bühlmann sagt. Und der Sommer 2026 gehört zu den extremsten aller Zeiten.



Er steht im Wald bei Kagiswil. Rolf Bühlmann ist einer der Revierförster im Kanton Luzern und für dieses Waldstück zuständig. Er ist gelernter Forstwart und hat sich zum Förster ausbilden lassen und hält eine Waldfläche von 3500 Hektar, etwa 5000 Fussballfeldern, instand. Und gerade 2026 ist dies eine Monsteraufgabe. Er zeigt die Auswirkungen des Sommers in einem Waldstück im Gebiet Kagiswil in der Luzerner Gemeinde Gunzwil.



Denn die Auswirkungen des Buchensterbens werden einschneidend sein: Die Buche macht 20 Prozent aller Bäume in den Wäldern der Region aus. Ohne menschliches Zutun bestünde der Wald wohl fast ausschliesslich aus Buchen.


Bäume kämpfen ums Überleben


Buntes Laub am Boden, kahle Äste: Dass der Wald bei Kagiswil bereits tiefherbstlich aussieht, hat aber nicht nur mit dem extremen Sommer zu tun. Bereits im Frühling hat es wesentlich weniger geregnet als üblich. Der akute und anhaltende Wassermangel zwingt die Buchen, aber auch andere Bäume, zu radikalen Stressreaktionen:

Warum Gewitter keine Entspannung bei der Trockenheit bewirkten, erfährst du im Video.

Sie werfen ihre trockenen Blätter ab und ganze Äste brechen ab. Denn sie können nicht mehr genug Wasser aus dem Boden saugen, es bilden sich Luftblasen im Stamm. Obwohl bei einigen Bäumen schon im August klar ist, dass sie den Sommer nicht überstehen, wird sich das wahre Ausmass des Schadens erst im Frühling zeigen.


Bereits im Hochsommer bedeckt eine dicke Schicht aus trockenem Buchenlaub den Waldboden.  (Bild: baj)
Bereits im Hochsommer bedeckt eine dicke Schicht aus trockenem Buchenlaub den Waldboden. (Bild: baj)

Geschwächt in den Winter und das neue Jahr


Weil die Buchen ihre Blätter so früh abwerfen mussten, konnten sie nicht bis in den Herbst hinein die für den Winter und kommenden Frühling wichtigen Nährstoffe im Holz ablagern. Zudem sind sie Schädlingen in diesem Zustand wesentlich hilfloser ausgesetzt.


Die Trockenheit ist dem Wald bei Kagiswil von weither anzusehen. (Bild: baj)
Die Trockenheit ist dem Wald bei Kagiswil von weither anzusehen. (Bild: baj)

Das werde dazu führen, dass im Frühling nicht wenige Bäume keine neuen Blätter austreiben können und absterben, sagt Förster Bühlmann.


Schäden wohl schlimmer als 2018


Bereits 2018 hat ein sehr trockener Sommer Schäden im Wald und besonders bei den Buchen verursacht. 2026 dürfte aber wesentlich schlimmer sein, glaubt Förster Bühlmann. Denn sowohl der Frühling als auch der Sommer waren extremer. Es war sowohl heisser als auch trockener.



Sie profitieren vom wandelnden Klima


Während die Zukunft der Buche immer ungewisser wird, profitieren andere jedoch vom wechselnden Klima und dessen Auswirkungen. Das viele Totholz, welches aus den Dürren resultiert, bietet für Vögel wie den Schwarzspecht ein Schlaraffenland.


Und Eichen scheinen unter diesen Bedingungen prächtig zu gedeihen, sagt Bühlmann. Sie sind den klimatischen Bedingungen besser gewachsen. Sie sind Teil einer angestrebten Änderung, die den regionalen Wald widerstandsfähiger machen soll.


Zwei Massnahmen für widerstandsfähigen Wald


Zwei Aspekte seien dabei wichtig, sagt Bühlmann. Ein Mischwald sei widerstandsfähiger als ein eintöniger Wald. Damit der Wald auch im zukünftigen Klima gedeihen kann, muss sich jedoch die Zusammensetzung ändern.


Buchen werden wohl Bäumen wie Eichen, Linden oder dem Kirschbaum weichen müssen. Bei Nadelbäumen wird mehr auf die resistente Weisstanne gesetzt.

Dürre Bäume in einem Luzerner Wald. (Bild: Kanton Luzern)
Dürre Bäume in einem Luzerner Wald. (Bild: Kanton Luzern)

Der zweite Aspekt betrifft das Aussehen des Waldes. Höhere Bäume sind von Dürren stärker betroffen. Der Wald der Zukunft dürfte daher aus weniger hohen Bäumen bestehen, die aber mehr Platz zur Verfügung haben.


Auch internationale Lösungen im Test


Es wird Jahrzehnte dauern, bis klar ist, ob und wie gut diese Strategien funktionieren. Um weitere Optionen zu schaffen, wird im Kanton Luzern auch mit Baumarten aus trockenen Gebieten der Welt experimentiert.


In einem abgesperrten Gebiet im Kanton Luzern wachsen Atlaszedern aus Nordafrika und weitere Exoten. Sie könnten künftig einen Teil des Mischwaldes ausmachen.


Hoffnung für die Buche – aus Süditalien?


Doch für die Buche gibt es noch eine leise Hoffnung: Es laufen Tests, ob Buchen aus wesentlich trockeneren Gebieten Europas, etwa aus Süditalien, hier besser gedeihen als einheimische.


30 bis 50 Jahre wird es aber dauern, bis die Resultate der Tests aussagekräftig sind. Förster wie Rolf Bühlmann kämpfen also für den Wald und die Buchen der nächsten und übernächsten Generation.

 
 
 

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